Der Kniestock – in Norddeutschland meist Drempel genannt – entscheidet darüber, wie viel von Ihrem Dachgeschoss als Wohnfläche zählt. Schon 50 Zentimeter mehr oder weniger Wandhöhe verschieben die anrechenbare Fläche um viele Quadratmeter. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Kniestockhöhe gemessen wird, welche Höhen üblich sind und wie Sie die Wohnfläche unter der Dachschräge nachvollziehbar berechnen.
Ein Kniestock (Drempel) ist die senkrechte Außenwand im Dachgeschoss zwischen Geschossdecke und Dachschräge. Er wird meist von der Oberkante Rohdecke bis zum Schnittpunkt von Außenwand und Dachhaut gemessen. Nach Wohnflächenverordnung zählen Flächen unter 1 m lichter Höhe gar nicht, zwischen 1 und 2 m zur Hälfte und ab 2 m voll – je höher die Wand, desto mehr Wohnfläche.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Kniestock?
Als Kniestock bezeichnet man die Wand, die im Dachgeschoss an der Traufseite über die oberste Geschossdecke hinausragt und auf der der Dachstuhl aufliegt. Bei einem klassischen Satteldach sitzen die Sparren über die Fußpfette oder eine Schwelle auf dieser Wand. Fehlt diese Wand, liegen die Sparren direkt auf der Decke auf – die Dachschräge beginnt dann auf Höhe des Fußbodens.
Der Name kommt aus der Nutzung: Die Wand reicht im Innenraum oft etwa bis Kniehöhe. Heute sind Kniestöcke von einem Meter und mehr keine Seltenheit, weil sie aus einem niedrigen Spitzboden ein vollwertig nutzbares Dachgeschoss machen. Konstruktiv ist die Wand meist gemauert oder betoniert und mit einem Ringbalken abgeschlossen, im Holzbau als Teil der Außenwand ausgeführt.

Kniestock und Drempel: Gibt es einen Unterschied?
Kurz gesagt: nein. Kniestock und Drempel beschreiben dasselbe Bauteil. „Kniestock“ ist vor allem in Süddeutschland und damit auch in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg gebräuchlich, „Drempel“ eher in Nord- und Westdeutschland, etwa in Hamburg oder Düsseldorf. In Bebauungsplänen, Baubeschreibungen und Fertighauskatalogen finden Sie beide Begriffe – manchmal sogar im selben Dokument.
Unterschiede entstehen nicht beim Begriff, sondern bei der Messmethode: Ein Hersteller nennt die Höhe vielleicht ab Oberkante Fertigfußboden, ein Bebauungsplan ab Oberkante Rohdecke. Wer Angaben vergleicht, sollte deshalb immer zuerst fragen, von wo bis wo gemessen wurde.
Kniestockhöhe richtig messen: die Bezugspunkte
Eine bundeseinheitliche Definition, wo die Kniestockhöhe endet, gibt es nicht. Durchgesetzt hat sich folgender Ansatz: Gemessen wird von der Oberkante der Rohdecke des Dachgeschosses bis zum Schnittpunkt der Außenkante der Außenwand mit der Oberkante der Dachhaut bzw. der Sparren. Manche Bebauungspläne setzen stattdessen die Unterkante der Fußpfette als oberen Bezugspunkt. Maßgeblich ist immer die Festsetzung im jeweiligen Bebauungsplan.
Konstruktive Kniestockhöhe ist nicht gleich lichte Höhe
Für die Wohnfläche zählt nicht das Maß aus dem Bebauungsplan, sondern die lichte Höhe im fertigen Raum. Und die liegt fast immer deutlich darunter. Drei Faktoren verschieben das Maß:
Typische Kniestockhöhen und ihre Wirkung
Welche Kniestockhöhe sinnvoll ist, hängt von Dachneigung, Nutzung und Bebauungsplan ab. Bei steilen Dächern um 45° reichen oft schon 50 bis 80 cm, damit ein Raum gut möblierbar ist. Bei flacheren Dächern um 30° braucht es eine höhere Wand, weil die Schräge langsamer ansteigt. Die folgende Übersicht zeigt typische Größenordnungen aus der Planungspraxis:
Kniestock und Wohnfläche nach WoFlV
Die Wohnflächenverordnung (WoFlV) staffelt die Anrechnung von Grundflächen nach der lichten Höhe. Genau hier wirkt die Drempelhöhe: Sie bestimmt, an welcher Stelle die Schräge die Grenzen von 1 m und 2 m schneidet. Die Details der Norm fassen wir in unserem Überblick zu den Regeln der Wohnflächenverordnung zusammen; für das Dachgeschoss sind drei Stufen entscheidend:
Wichtig: Die WoFlV ist verbindlich für den geförderten Wohnungsbau und wird in der Praxis auch für Mietwohnungen und Verkaufsexposés herangezogen. Die DIN 277 dagegen rechnet die Grundfläche ohne Höhenabzug und weist Bereiche mit geringer lichter Höhe gesondert aus. Ein und dasselbe Dachgeschoss kann deshalb je nach Regelwerk sehr unterschiedliche Zahlen liefern. Wer eine belastbare Flächenberechnung nach WoFlV braucht, sollte das Regelwerk vor der Messung festlegen.
Ausführlich mit Treppen, Gauben und Abseiten beschäftigt sich unser Ratgeber zur Wohnflächenberechnung bei Dachschräge. Für den Wandbereich selbst gilt: Wird der Bereich hinter einer inneren Abmauerung (Abseite) vom Raum abgetrennt, gehört er nicht mehr zur Grundfläche des Wohnraums, sondern ist Nebenfläche.
Rechenbeispiel: Wohnfläche bei 50, 100 und 150 cm
Ein durchgerechnetes Beispiel zeigt, wie stark die Wandhöhe die Wohnfläche beeinflusst. Annahme: Satteldach mit 45° Neigung, Dachgeschoss innen 8,00 m breit und 10,00 m lang, Grundfläche also 80 m². Bei 45° steigt die Schräge pro Meter Abstand zur Wand um genau einen Meter. Angesetzt ist jeweils die lichte Höhe an der Innenwand – nicht die konstruktive Kniestockhöhe.
Der Sprung von 50 auf 100 cm lichte Höhe bringt in diesem Beispiel 10 m² zusätzliche Wohnfläche. Bei flacherem Dach wird der Effekt noch größer: Mit 30° Neigung steigt die Schräge nur um rund 0,58 m pro Meter. Bei 100 cm lichter Höhe an der Wand ist der 50-Prozent-Streifen dann auf jeder Seite etwa 1,73 m breit – die Wohnfläche sinkt auf rund 62,7 m².
Bebauungsplan und Vollgeschoss
Viele Bebauungspläne begrenzen die zulässige Kniestockhöhe – typischerweise zusammen mit Traufhöhe, Firsthöhe und Dachneigung. Der Grund ist das Ortsbild: Eine hohe Traufwand lässt ein Haus deutlich massiver wirken. Außerdem hängt am Kniestock oft die Frage, ob das Dachgeschoss als Vollgeschoss zählt, was sich wiederum auf die zulässige Geschosszahl und die Geschossflächenzahl auswirken kann.
In Baden-Württemberg ist ein Geschoss im Dachraum nach der Landesbauordnung ein Vollgeschoss, wenn es über mehr als drei Viertel der Grundfläche des darunterliegenden Geschosses mindestens 2,30 m hoch ist. Andere Bundesländer arbeiten teils mit abweichenden Anteilen und Bezugspunkten. Eine große Drempelhöhe kann also dazu führen, dass aus einem Dachgeschoss rechnerisch ein Vollgeschoss wird. Ob das im konkreten Fall so ist, klären Sie mit Ihrem Architekten oder dem Baurechtsamt.
Kniestock nachträglich erhöhen
Einen bestehenden Kniestock zu erhöhen ist ein häufiger Wunsch bei Dachsanierungen im Bestand – etwa bei Siedlungshäusern aus den 1950er- und 1960er-Jahren rund um Stuttgart, deren Dachgeschosse kaum Stehhöhe bieten. Technisch wird dafür meist das Dach abgenommen, die Wand aufgemauert, ein neuer Ringbalken gesetzt und der Dachstuhl neu aufgelegt oder ersetzt.
Bestand erfassenExakte Höhen von Decke, Traufwand, Pfetten und First aufnehmen – die Basis für Statik und Bauantrag.
Baurecht prüfenBebauungsplan und Landesbauordnung klären: zulässige Trauf- und Firsthöhe, Vollgeschoss-Frage, Abstandsflächen.
Statik und PlanungTragwerksplaner und Architekt bemessen Wand, Ringbalken und neuen Dachstuhl.
Genehmigung und AusführungDie Erhöhung ist in aller Regel genehmigungspflichtig, weil sich Kubatur und Höhe des Gebäudes ändern.
Gerade der erste Schritt wird oft unterschätzt: Alte Pläne zeigen selten den tatsächlichen Zustand. Durchgebogene Pfetten, schiefe Decken und nachträglich aufgedoppelte Böden führen dazu, dass die Höhen im Bestand von den Planwerten abweichen.
Typische Fehler beim Kniestock im Bestand
In unseren Stuttgarter Projekten sehen wir bei Dachgeschossen immer wieder dieselben Fehlerquellen – sowohl in Exposés als auch in Bestandsplänen. Die meisten entstehen, weil mit Planwerten statt mit gemessenen Werten gerechnet wird.
So nehmen wir das Dachgeschoss auf
Bei Dachgeschossen arbeiten wir mit terrestrischem Laserscanning. Statt einzelne Punkte mit Zollstock oder Handlaser zu messen, erfasst die 3D-Laservermessung das komplette Dachgeschoss als Punktwolke mit 20–50 Millionen Messpunkten (je nach Objekt). Darin lässt sich die lichte Höhe an jeder Stelle der Schräge abgreifen – auch dort, wo Sparren durchhängen oder der Boden uneben ist.
Aus der Punktwolke leiten wir Schnitte senkrecht zur Traufe ab. Die 1-m- und 2-m-Linien werden nicht angenommen, sondern aus der realen Geometrie konstruiert. Daraus entsteht eine nachvollziehbare Flächenberechnung vom Vermessungsbüro, die Sie nach WoFlV oder DIN 277 erhalten. Wir garantieren eine Endgenauigkeit von ±10 mm.
Für ein Einfamilienhaus dauert die Erfassung vor Ort in der Regel 2–4 Stunden. Das Basis-Aufmaß (bis 400 m² BGF) liegt bei 800–1.500 € und wird in 5–7 Werktagen geliefert. Unser interdisziplinäres Team aus Vermessungsingenieuren, Architekten und Software-Entwicklern ist primär in Baden-Württemberg im Einsatz, betreut aber Projekte in ganz Deutschland – von Stuttgart bis Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf. Wenn Sie die Wohnfläche Ihres Dachgeschosses belastbar ermitteln lassen möchten, können Sie direkt Ihr Projekt anfragen.
Häufige Fragen zum Kniestock
Wie hoch sollte ein Kniestock sein?
Was ist der Unterschied zwischen Kniestock und Drempel?
Zählt die Fläche hinter dem Kniestock zur Wohnfläche?
Ab welcher Kniestockhöhe wird das Dachgeschoss zum Vollgeschoss?
Wie wird die Kniestockhöhe gemessen?
Kann man einen Kniestock nachträglich erhöhen?

Fazit
Der Kniestock ist das unscheinbare Bauteil, das über die Nutzbarkeit eines Dachgeschosses entscheidet. Ob Sie ihn Drempel oder Kniestock nennen: Entscheidend ist, von wo bis wo gemessen wird. Für Baurecht und Bebauungsplan zählt die konstruktive Kniestockhöhe, für die Wohnfläche die lichte Höhe im fertigen Raum – und zwischen beiden liegen schnell zehn Zentimeter und mehr.
Wer die Wohnfläche unter der Dachschräge belastbar kennen möchte, sollte nicht mit Planwerten rechnen, sondern die reale Geometrie aufnehmen lassen. Ein Laserscan liefert dafür die Grundlage, aus der sich die Flächen nach WoFlV oder DIN 277 sauber ableiten lassen.
Wir erfassen Traufwände, Dachschrägen und Raumhöhen per Laserscan und liefern Ihnen eine nachvollziehbare Flächenberechnung – mit garantierter Endgenauigkeit von ±10 mm. Antwort auf Ihre Anfrage innerhalb von 24 Stunden.
Gegründet 2021 in Stuttgart. Spezialisiert auf 3D-Laserscanning, Scan-to-BIM und präzise Bestandsdokumentation für Architekten, Facility Manager und Projektentwickler in ganz Deutschland.